PV-Projekte, Projektierer, Profit: Dabei kommt es auf die Menschen an!

Bernhard Voll will nichts weniger, als mit Solaranlagen das Leben der Menschen nachhaltig verbessern. Wie gut, dass der SMA Experte für PV-Kraftwerke viel Erfahrung hat und weiß, wo die Fallstricke bei der Umsetzung von Solarprojekten liegen. Abgesehen davon fordert er einen Blick auf weitere Anwendungsfelder, um Wechselrichter vielfältiger einzusetzen. Konkrete Ideen hat er auch schon.

Deine berufliche Karriere hast du im Bereich der Kernenergie gestartet. Jetzt bist du mit Herzblut für die Erneuerbaren unterwegs. Woher der Sinneswandel?

1985, als ich noch im Bereich Kernenergie unterwegs war, hatte jeder gedacht, das ist die Zukunft. Wir haben dann aber auch schnell gemerkt, dass es nicht nur wesentliche Probleme mit dem Abfall gibt, sondern auch, dass nicht alle Länder die gleiche Sicherheitsphilosophie wie Deutschland haben. Nach Tschernobyl und Harrisburg wurde ich sehr nachdenklich. Als ich dann über Umwege in der Windenergie gelandet bin, habe ich erkannt, wie einfach und im Einklang mit der Natur Energieversorgung doch geht. Ein wichtiges Ereignis war auch der Film Koyaanisqatsi von Francis Ford Coppola. Der hat mich sehr bewegt. Ich habe erkannt, dass wir in meiner Generation unseren Planeten plündern und unseren Kindern eine Wüste oder Chaos hinterlassen, wenn wir einfach so weitermachen. Ich sehe es daher als meine Aufgabe, dazu beizutragen, zukünftigen Generationen eine lebenswerte Welt zu hinterlassen.

Du hast schon viele PV-Projekte begleitet. Welches ist dir in Erinnerung geblieben und warum?

Ein Projekt in Jordanien. Hier wurde ich gerufen, weil unser Kunde mit dem Eigentümer in einen schier ausweglosen Streit um technische Details verwickelt war. Nach etwas Zeit und immer hitziger werdenden Diskussionen habe ich aber dann durch Humor und der mir eigenen Sturheit dafür gesorgt, dass wir viel gelacht und alle Probleme in kurzer Zeit so gelöst haben, dass jeder glücklich war. Es sind die Menschen, die bei der Umsetzung zählen, nicht die Projekte. Und das ist immer das Besondere bei PV- Anlagen, die ich besucht habe. Nicht die blauen Module und die schönen Wechselrichter, sondern die Menschen, mit denen man zu tun hat.

Worauf kommt es beim Realisieren von Großanlagen ran?

Es kommt ganz entscheidend darauf an, die langfristigen Kosten im Blick zu haben. Billig starten heißt meist teuer enden! Es ist extrem wichtig, die Technologie so zu wählen, dass man sicher und kostengünstig über die nächsten 25 Jahre Solarstrom produzieren kann. Ich würde auch mit dem Netzbetreiber reden und das Thema Netzanschluss absolut priorisieren. Wichtig ist auch, die Lieferanten frühzeitig einzubeziehen und mit den Bewohnern vor Ort in engem Austausch zu stehen. Es ist hilfreich zu wissen, ob es vor Ort Ansätze gibt, die Gemeinde als Stromkunde zu gewinnen. Wenn alle in einem Boot sitzen, lassen sich Projekte einfacher realisieren.

Was sind aktuell die größten Herausforderungen für die Umsetzung von Solarkraftwerken?

Bernhard Voll im Gespräch SMABernhard Voll im Gespräch SMAAktuell gibt es mehrere: Es wird immer schwieriger, die zunehmenden Restriktionen und Komplexitäten der Genehmigungsverfahren zu managen. Dazu gehört auch die zunehmende Ablehnung von Anwohnern. Vor allem wird es immer schwerer, geeignete Netzanschlüsse zu finden, die über genug Anschlusskapazität verfügen. Hinzu kommt, dass die Gewinnmargen durch den Konkurrenzdruck immer kleiner werden und die Solarenergie zunehmend zu handelsüblicher Ware wird.

Ein weiteres großes Thema ist zum Beispiel in Australien die Allokation von Netzverlusten. Dies kann dazu führen, dass man eine wirtschaftliche Solaranlage projektiert und baut, aber dann, weil ein Konkurrent in der Nachbarschaft auch baut, plötzlich die Netznutzungsgebühren steigen und die Wirtschaftlichkeit sinkt.

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Kurz gesagt: Netzanschlüsse werden schwerer, Politiker schauen mehr auf Wahlen als auf die langfristige Zukunft und steigende Komplexität konkurriert mit sinkenden Gewinnen – kein besonders guter Mix. Insofern ist es jetzt extrem wichtig, sich um Alternativen wie Speichertechnologien und Elektro-Chemie zu kümmern. Und plötzlich findet man wieder Platz zum Atmen.

Was hat sich in der Branche innerhalb der letzten fünf Jahre geändert? Und wo zeichnen sich Trends ab?

Früher waren viele Enthusiasten unterwegs, die mehr die Umweltaspekte im Fokus hatten und einfach von der Technologie begeistert waren. Heute sind es zunehmend Finanzinvestoren, die in erster Linie auf die Risiken und die Rendite schauen. Vor zehn Jahren herrschte Aufbruchstimmung, heute ist es einfach normal und weniger aufregend. Was aber auch sein Gutes hat. Denn die Industrie sucht nach Möglichkeiten, erneuerbare Energien mehr in den „Mainstream“ zu bringen und fossile Energien spielen eine immer kleinere Rolle.

Ein großer Trend ist die Optimierung der Energiekosten über die Lebensdauer der Anlage gepaart mit immer größer werdenden Anforderungen nach Netzdienstleistungen. Hier ist SMA gut positioniert. Mit dem SMA Energy System Large Scale bieten wir ein modulares Konzept, mit dem je nach Anforderungen solare Kraftwerke umgesetzt, Sektoren gekoppelt und Energie kosteneffizient genutzt bzw. erzeugt werden kann. Ob mit der Medium Voltage Power Station als vollintegrierte Systemlösung, dem Sunny Central-Wechselrichter als hochflexibler Umrichter für Solar- und Batterieanwendungen oder den ganzheitlichen Systemlösungen der SMA Sunbelt Energy– unser Produkt- und Leistungsspektrum ist so vielfältig wie die Anwendungsfälle.

Technisch gesehen sind Wechselrichter ja Energiewandler. Welche Anwendungsfelder siehst du noch für Systemlösungen?

Wenn wir aus dem Wechselrichter einen Umrichter machen, kann er nicht nur aus Gleichstrom Wechselstrom machen, sondern auch umgekehrt. Das eröffnet völlig neue Einsatzmöglichkeiten in der Chemie, in der Stahlindustrie, in Batterieprojekten oder in der Maschinenbauindustrie. Das Stichwort lautet DC Industry. Hier braucht man einen Energieumwandler, der entweder Strom aus dem Netz in Strom für die Anwendung wandelt oder eben umgekehrt. Wir müssen einen breiteren Blick auf Anwendungen werfen, die etwas mit Energie zu tun haben und ein Netz brauchen. Oder auch, anstatt weiter nur dicke Stromleitungen zu bauen, auch mal darüber nachdenken, aus überschüssiger Stromerzeugung andere Energieträger herzustellen. Auch im Mobilitätssektor gibt es unzählige Anwendungen. Hier lohnt der Blick über den Tellerrand. Den wagten 1981 schon die SMA Gründer. Als sie mit der Leistungselektronik begannen, haben das viele als „Spinnerei“ abgetan und wurden eines Besseren belehrt. Mit einer Vision und Mut ist SMA bisher vieles gelungen.

Welche erneuerbare Energieprojekt würdest du gerne umsetzen?

Technisch reizt mich ein voll-integriertes Projekt zur völlig autarken Versorgung einer großen Insel mit Solarenergie, Batterie, Elektrolyseur und Brennstoffzelle. Persönlich reizt mich ein Projekt, das möglichst viele Menschen glücklich macht und in dem wir in Zusammenarbeit mit anderen Lieferanten, EPC, Projektentwicklern, Eigentümer und der Bevölkerung dafür sorgen, die Lebensbedingungen nachhaltig zu verbessern.

Zur Person

Bernhard ist ein Spezialist, wenn es darum geht, komplexe Solarkraftwerke zu realisieren. Seit knapp 20 Jahren ist der Elektroingenieur in der Erneuerbaren Energien Branche unterwegs. Seine technische Expertise hat er bei unzähligen Projekten weltweit eingebracht – wobei es ihm dabei auch immer um die Menschen und eine verbesserte Lebenssituation ging.

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Quelle: SMA Solar Technology AG

Dieser Artikel wurde erstellt von: ET-News



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