Photovoltaik in Polen – eine rasante Entwicklung

Denkt man an Photovoltaik (PV) und erneuerbare Energien, gehört Polen wahrscheinlich nicht unbedingt zu den Ländern, die man hiermit unmittelbar in Verbindung bringt. Schließlich dominiert in Polen nach wie vor die Kohle und von dieser ist das Land gerade in den Bereichen Wärme und Strom fast vollständig abhängig. Die Solarenergie hingegen hat am Energiemix laut Polnischer Gesellschaft für Photovoltaik lediglich einen Anteil von unter einem Prozent. Doch die jüngsten Entwicklungen zeigen, dass sich das bald ändert. Die Nachfrage steigt und Polen zeigt immer mehr, welches PV-Potential im Land steckt.

Polen wird grüner. Das ist zumindest der Plan. So sollen laut polnischer Regierung keine neuen Kohlekraftwerke mehr gebaut werden. Stattdessen wird mehr in erneuerbare Energien investiert. So ist für das Jahr 2020 von der Regierung eine installierte Solarkapazität in Höhe von 1000 Megawatt angesetzt. Ein zusätzliches, neues Gesetz soll zudem dafür sorgen, dass der Ausbau der Solarenergie im Laufe des nächsten Jahrzehnts in Polen auf rund 10,3 Gigawatt ansteigt. Dieses Ziel will das Land mit einem Mix aus Hausanlagen und großen Solarparks schaffen.

Entwicklungen

Ein Blick auf die Zahlen der vergangenen Monate verdeutlicht, dass die Photovoltaik in Polen das am schnellsten wachsende Segment der Erneuerbaren ist. So stiegen laut dem polnischen Institut für Erneuerbare Energien (Instytut Energetyki Odnawialnej; IEO) im Jahr 2019 die Kapazitäten um 0,9 Gigawatt auf 1,5 Gigawatt an. Damit schaffte es das Land nach Aussage von IEO im EU-Vergleich unter die Top fünf. Vor Polen lagen nur noch Spanien mit 4,7 Gigawatt, Deutschland mit 4 Gigawatt, die Niederlande mit 2,5 Gigawatt und Frankreich mit 1,1 Gigawatt.

Und auch die Zahlen für 2020 sehen sehr vielversprechend aus. In den ersten sieben Monaten des Jahres betrug die neu installierte PV-Leistung rund 916 Megawatt. Allein im Juli lag der Photovoltaik-Zubau bei rund 204,7 Megawatt. Und Analystenschätzungen zufolge, werden bis Ende des Jahres in Polen 2,5 Gigawatt Photovoltaik installiert sein.

Gründe für Wachstum

Immer mehr Haushalte in Polen entscheiden sich für eine PV-Anlage auf dem Dach. Zum einen, um der Umwelt etwas Gutes zu tun. Zum anderen aber auch, um sich künftig unabhängiger von höheren CO2-Preisen zu machen. Daher stammt der Großteil der Zubauzahlen auch in erster Linie von kleinen Anlagen mit einer Leistung von bis zu 50 Kilowatt, weniger von großen Photovoltaik-Kraftwerke. Doch nicht nur der Umwelt-, bzw. der finanzielle Aspekt sind wesentliche Treiber für den Ausbau. Auch rechtliche Erleichterungen und Unterstützungsprogramme in Form von Förderungen von PV-Anlagen für den Eigenbedarf sorgen für einen verstärkten Ausbau und das rasante Wachstum.

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Dabei ist einer der wichtigsten Aspekte das sogenannte Net Metering, in Polen vermehrt unter dem Begriff „Bilanzierung“ bekannt. Diese erlaubt es Prosumern, sprich Mikroerzeuger bis 50 Kilowattpeak (kWp), über die Dauer von 15 Jahren 70 Prozent der von ihnen ins Netz eingespeisten Energie im Jahresverlauf wieder kostenlos aus dem Netz zu ziehen. Das Netz fungiert dabei wie eine Art Speicher. Erzeuger bis 10 kWp können sich über den gleichen Zeitraum 80 Prozent der eingespeisten Energie aus dem Netz ziehen. Bei Miko-Installationen (Anlagen zwischen 2 – 10 kWp) liegt der prozentuale Anteil bei 50 Prozent.

Ein weiterer Grund für das Wachstum des Marktes ist zudem die Tatsache, dass in Polen – abseits der Ausschreibungen – bereits erste Projekte ohne eine staatliche Förderung durchgeführt werden und zwar mit Hilfe von langfristigen Verträgen – sogenannten Corporate Power Purchase Agreements (PPAs). Diese Möglichkeit ist besonders für die Unternehmen interessant.

Zweifellos muss das Land den Schritt in die grüne Richtung wagen. Neben den steigenden Energiepreisen ist es auch die EU, die mit immer stärkeren Forderungen nach erneuerbaren Energien und einem Rückzug aus der Kohleenergie Druck ausübt. Doch auch Polen selbst hat die Möglichkeiten und die Vorteile durch die Photovoltaik bereits erkannt. Man darf auf die dortige Entwicklung der Solarenergie in jedem Fall gespannt sein.

Quelle: IBC SOLAR AG

Dieser Artikel wurde erstellt von: ET-News



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