Handelsblatt – Gastkommentar Manon van Beek: “Vom Einstieg in die Wasserstoffstoffwirtschaft hängt auch der Erfolg ab”

Wenn wir die Elektrolyseure mit Blick auf das ganze Stromsystem sinnvoll positionieren und betreiben, können sie das Stromsystem entlasten. Wenn nicht, können sie die Herausforderungen im Stromsystem verschärfen. Denn: Wie jede Stromleitung in einem Haus oder in einer Firma haben auch die großen Übertragungsnetze begrenzte Übertragungskapazitäten.

Deshalb ist es ein großer Unterschied, ob wir große neue elektrische Lasten nahe bei der erneuerbaren Erzeugung, also vor allem in windreichen meeresnahen Gebieten bauen, wo in Zukunft der Großteil des Stroms erzeugt werden wird, oder weit entfernt von diesen. In diesem Fall müssten zusätzliche Stromautobahnen gebaut werden, um den Strom zu den erzeugungsfernen Elektrolyseuren zu transportieren.

Wenn wir die Elektrolyseure weit entfernt von den Erneuerbaren-Schwerpunkten errichten, werden sie sowohl in den Niederlanden als auch in Deutschland einen hohen zusätzlichen Stromtransportbedarf hauptsächlich in Nord-Süd-Richtung schaffen.

Schon heute sehen wir Netzengpässe vor allem in Nord-Süd-Richtung. Schon heute müssen wir oft die elektrische Erzeugung im Norden herunter- und im Süden herauffahren, um solche Engpässe zu bewältigen.

Die Experten nennen dies „Redispatch“. Das heißt, wir müssen oft fossile Kraftwerke im Süden anwerfen und erneuerbare Stromproduktion im Norden herunterregeln, um die Stromnetze stabil zu halten. Unter dem Strich bedeutet das: weniger erneuerbarer Strom, mehr Strom aus Kohle- oder Gaskraftwerken, was insgesamt zu höheren Kohlendioxidemissionen führen würde. Statt zu sinken, würden die Emissionen eher steigen, weil wir erneuerbare Stromproduktion häufiger durch fossile Kraftwerke „redispatchen“ und dafür auch noch die entstehenden Kosten bezahlen müssten.

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Wir arbeiten mit Hochdruck und Milliardeninvestitionen daran, die Engpässe im Netz zu beseitigen. Wenn wir jetzt neuen zusätzlichen Stromverbrauch in der Größenordnung von Millionenstädten weit entfernt von der erneuerbaren Erzeugung aufbauen, schaffen wir neuen Stromtransportbedarf, zulasten der Emissionen und zulasten einer sauberen Industrie.

Es gibt Alternativen: Sowohl die Niederlande als auch Deutschland haben die Möglichkeit, Teile des Erdgasnetzes für Wasserstoff zu nutzen und dieses mit einem neuen Wasserstoffnetz zu verstärken. Mit den zusätzlichen Redispatch-Kosten, die eine falsche Verortung der Elektrolyseure Mitte der 2030er-Jahre in Deutschland und den Niederlanden in nur einem Jahr verursachen würde, könnte man fast das gesamte von den Betreibern der Gasnetze vorgeschlagene Wasserstoff-Startnetz von 1200 Kilometern realisieren.

Wir haben die Verantwortung, uns für ein System einzusetzen, das nicht nur für Einzelne, sondern für die gesamte Wirtschaft effizient ist. Wenn die Energieminister in Berlin damit beginnen, die Anreize für Wasserstoff richtig zu setzen, können sie von Beginn an dafür sorgen, dass Wasserstoff und das Stromsystem sich gegenseitig ergänzen, die Emissionen sinken und die Wettbewerbsfähigkeit erhalten bleibt.

Quelle: Handelsblatt

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Quelle: tennet.eu

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