Erdkabelbericht zieht Zwischenbilanz

Auf Bitte des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (kurz BMWi) haben die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber 50 Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW einen Erfahrungsbericht zum Einsatz von Erdkabeln im Höchstspannungs-Drehstrombereich erarbeitet und am 7. Oktober 2020 veröffentlicht. Bislang befindet sich noch kein Teilerdverkabelungsprojekt im vollen Systembetrieb, da sich die meisten Vorhaben in der Planungs-, Genehmigungs- oder Bauphase befinden. Die Erdverkabelung im 380-Kilovolt-Verbundnetz ist daher immer noch technisches Neuland.

Der Bericht fasst die bisherig gesammelten Erfahrungen aus Pilotprojekten für Teil-Erdverkabelung im Drehstromnetz zusammen:

  • Mit Blick auf die Betriebs- und Systemsicherheit muss man feststellen, dass Erdkabelanlagen eine geringere Verfügbarkeit als Freileitungen haben, da die Reparaturzeiten im Falle eines Schadens deutlich länger sind. Zudem steigt mit einem zunehmenden Anteil an Teilerdverkabelung bei einer Leitung bzw. in einer Region die Komplexität des Netzbetriebs und damit das Risiko für die Systemstabilität.
  • Hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit liegt die Teilerdverkabelung bei den Kosten deutlich höher im Vergleich zur Freileitung – und zwar in Planung, Errichtung und Betrieb. Je nach projektbezogener Topographie bzw. Bodenbeschaffenheit liegen die Investitionskosten in der Regel mindestens um den Faktor sechs höher.
  • Beim Thema Planungs-, Genehmigungs- und Bauzeiten benötigt die Teilerdverkabelung nach derzeitigen Erfahrungen mindestens ein bis zwei Jahre länger als eine Freileitung. Insgesamt beanspruchen die umfangreichere Ausführungsplanung, intensive Bodenuntersuchungen und Verhandlungen mit den Eigentümern in den Pilotvorhaben sehr viel Zeit. Und auch der Bau ist sehr aufwendig: Die Baustellen verlaufen durchgehend entlang der Trasse, erfordern die Querung aller vorhandenen Infrastrukturen, beanspruchen eine 40 bis 60 Meter breite Schneise bei gleichzeitig großen Eingriffen in den Bodenhaushalt.
  • Teilerdverkabelung führt nicht per se zu mehr Akzeptanz für Leitungsbauvorhaben und ist von daher auch kein Allheilmittel, denn die Betroffenheit scheint sich, im Vergleich zum Freileitungsbau, lediglich zu verlagern – weg von Anwohnern, die mitunter nicht unmittelbar an der Trasse leben, hin zu Eigentümern und Bewirtschaftern (v.a. Landwirtschaft).
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Die Pilotprojekte werden von den Übertragungsnetzbetreibern weiter umgesetzt werden, um weitere Erfahrungen zu sammeln. Erst wenn diese gesammelten Erfahrungen vorliegen, wird ein belastbares Urteil über das Für und Wider der Erdverkabelung im Wechselstromnetz möglich sein.

Quelle: transnetbw.de

Dieser Artikel wurde erstellt von: ET-News



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