Easy Rider auf leisen Sohlen

Peter Fonda versteckt die zusammengerollten US-Dollar in einem Schlauch und versenkt diesen im Tank des Choppers. „Captain America“ wird die legendäre Harley-Davidson aus dem Roadmovie Easy Rider auch genannt. Der Benzintank fährt die US-Flagge spazieren. Kaum ein Produkt steht so sehr für den American Way of Life. Der Filmchopper hat heute angeblich einen Wert von über einer Million Euro – und ist damit eines der teuersten Motorräder weltweit. Ein Nachbau aus dem Jahr 1987 steht im Deutschen Zweiradmuseum in Neckarsulm bei Heilbronn.

In 3,5 Sekunden auf knapp 100 Sachen

Nachdem Harley-Davidson im vergangenen Jahr ankündigte, die Produktion teilweise ins Ausland zu verlagern, erfuhr sie den Furor von Donald Trump. Er rief sogar zum Boykott gegen die verchromten Motorräder aus Milwaukee auf. America first eben. Das 1903 gegründete Unternehmen will Zweiräder verkaufen – und zwar weltweit.

Im Januar 2019 stellte Harley-Davidson auf der Branchenmesse Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas eine Strommaschine vor. Sie heißt Livewire und soll das Geschäft in den USA, aber auch in anderen Ländern stärken. „Die Evolution der Mobilität ist an einem historischen Punkt angelangt“, meint Matt Levatich, Geschäftsführer bei Harley-Davidson. Ein Prototyp der Maschine wurde schon 2014 präsentiert. 2019 soll der Stromer serienmäßig in die Läden kommen. In 3,5 Sekunden könne die Maschine auf 60 Meilen pro Stunde beschleunigen, das sind 96,5 Kilometer pro Stunde. Das vom elektrischen Antriebsstrang erzeugte Drehmoment ist schon bei der ersten Radumdrehung abrufbar.

Überblick mit der App

Das Elektrobike besitzt weder Kupplung noch Getriebe. Die Bremswirkung lädt über die Energierückgewinnung die Batterie nach. Zudem ist das Motorrad über LTE mit dem Internet verbunden und überträgt die Daten an eine App des Herstellers. Der aktuelle Ladezustand der Batterie und die verfügbare Reichweite sind ebenfalls einsehbar. Die verbleibende Zeit bis zur vollständigen Ladung wird wie der Standort der nächsten Ladesäule angezeigt. Auch das in den 70er-Jahren vom US-Militär entwickelte GPS ist eingebaut, um ein gestohlenes Bike gegebenenfalls zu orten.

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Im Stadtverkehr verspricht Harley-Davidson mit der Akkuladung eine Reichweite von rund 177 Kilometern. Der Antriebsstrang sitzt relativ weit unten, um den Schwerpunkt der Maschine zu senken. Der Fahrer kann so leichter rangieren. Eine elektronisch gesteuerte Kontrollvorrichtung verfügt über ein ABS-System in der Kurve sowie eine Traktionskontrolle; ein Bewegungssensor ist ebenfalls eingebaut. Die Maschine kann an der Haussteckdose, über ein Ladegerät (Level 2) oder auch schnell mit Gleichstrom geladen werden.

Und was ist mit dem legendären Sound?

Der elektrische Antriebsstrang produziert kaum Vibrationen, Abwärme oder Geräusche. Livewire erzeugt einen neuen „charakteristischen Harley-Davidson-Sound“, verkündet der Hersteller: Er repräsentiert die sanfte elektrische Kraft der Maschine. Captain America kommt heute auf leisen Sohlen daher. Drei Farben stehen zur Auswahl: Gelb, Orange oder Schwarz. Für Peter Fonda würde sich ein anderes Problem ganz konkret stellen: Wo bloß die Dollarscheine verstecken? Den Benzintank gibt es schließlich nicht mehr. (Niels Hendrik Petersen)

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Quelle: Photovoltaik.eu

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