Denkt im System!

Sonnen- und Windstrom erreichen Rekordwerte. Doch damit sie auch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten, muss das Energiesystem in seiner Gesamtheit betrachtet werden. Dr. Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende, und ZVEI-Präsident Michael Ziesemer liefern dazu im AMPERE-Doppelinterview wichtige Impulse. 
Die Mehrheit  der Menschen  in Deutschland befürwortet die  Energiewende. Doch  momentan passiert nicht viel. Warum?
Ziesemer: Es ist  doch  schon  sehr  viel passiert  – und zwar in der ganzen  Welt! Ob China, USA oder sogar  der  Mittlere Osten, die  Energiewende ist überall.  Wir konnten gewaltige  Skaleneffekte heben  und  haben  dadurch zur  konventionellen Stromerzeugung in vielen  Fällen  bereits  Kostenparität erreicht.
Graichen: Global geht das jetzt erst richtig los. Was allerdings dazugehört,  wenn   man  Klimaschutz betreiben will, ist der Ausstieg aus der alten  Energiewelt: weniger Kohle, weniger Benzin und Diesel, weniger Gas und Heizöl.
Konkreter bitte: Was muss jetzt in Angriff genommen werden?
Ziesemer: Die Technologien  sind alle da und sie rechnen sich auch. Der Zubau weiterer Er­ zeugungskapazitäten im Bereich der Erneuerbaren ist nicht  mehr  die große Herausforderung. Nun geht es darum,  wie wir den volatilen Charakter der Erzeugung und die Stromnetze managen. Und wir müssen die Frage beantworten, wie schnell wir aus den fossilen Energieträgern  aussteigen. Dafür brauchen  wir eine  Systembetrachtung, wie wir sie mit der BDI­Studie „Klimapfade für Deutschland“ initiiert  haben. Für die Umsetzung  ist eine Regulierung aus einem Guss notwendig.  Derzeit existieren  Dutzende  Gesetze und  Verordnungen zur Energiewirtschaft.
Graichen: Wenn  man  so eine Gesamtbetrachtung anstellen will, muss man einige Grundsatzentschei­ dungen zu Netzen und Märkten treffen. Neben dem Netzausbau gehört dazu die Frage, wie man  durch smartere Netze  in der  bestehenden Infrastruktur mehr  Strom  transportieren kann.  Dem  haben  wir in den vergangenen Jahren nicht ausreichend Aufmerksamkeit gewidmet. Über  das richtige Markt­ design  führen wir seit  längerem eine  Diskussion, sprechen über Kapazitätsmärkte, über die Auktions­ verfahren für Erneuerbare, über den Emissionshandel  –  im  Kern  fehlt uns  aber  die  Klarheit  über den  Pfad hin  zu den  65 Prozent Erneuerbaren im Jahr 2030, die der Koalitionsvertrag als Ziel vorgibt. Das müsste die Politik deutlich aktiver steuern.

Quelle: ZVEI

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ET-News

Dieser Artikel wurde erstellt von: G. Risser



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