Frauen-Power für das Handwerk – Was Männer können, können Mädchen schon lange!

Am Donnerstag, dem 26. April, können Schülerinnen ihre Taschenrechner, Vokabelhefte und Schulbücher getrost zu Hause lassen. Denn an diesem Tag findet in ganz Deutschland der Girls’Day, der Mädchen-Zukunftstag, statt. Ganz vorne dabei ist natürlich das Handwerk. Vom Ausbaufacharbeiter bis zum Zerspanungsmechaniker öffnen zahlreiche Handwerksbetriebe an diesem Tag ihre Werkstätten und verdeutlichen die vielfältigen Perspektiven für Frauen im Handwerk – auch in scheinbar typischen „Männerberufen“.

 

Werkbank statt Schulbank oder Fräse statt Füller – am Girls’Day können junge Mädchen in ganz Deutschland echte Betriebsluft schnuppern. Zahlreiche Handwerksorganisationen und -betriebe laden an diesem Tag Schülerinnen ein, das Handwerk mit all seinen Facetten kennenzulernen. Handwerkliche Werkstätten und technische Arbeiten sind schon längst keine Männerbastion mehr, das beweisen täglich viele Auszubildende, Gesellinnen und Meisterinnen. Mehr als 23 Prozent der Auszubildenden im Handwerk sind weiblich, bei den Meistern liegt der Frauenanteil bei rund 20 Prozent und in jedem fünften Betrieb gibt eine Frau als Unternehmerin den Ton an. Damit sich zukünftig noch mehr Frauen für eine Karriere im Handwerk entscheiden, unterstützen viele Handwerker den Girls’Day, um Vorurteile abzubauen und die Vielfalt des Handwerks aus erster Hand zu vermitteln.

 

Neugierde führt zum Traumberuf

Auch Andrea Schelle hat sich selbst ein Bild von den vielfältigen Möglichkeiten in einem technischen, handwerklichen Beruf gemacht. Geholfen hat ihr dabei ein Besuch in einem Handwerksbetrieb zum Girls’Day 2006. Zusammen mit zwei Freundinnen lernte sie zahlreiche technische Berufe im Unternehmen Kögel Zerspanungstechnik im baden-württembergischen Schwabsoien kennen. Die heute 20-Jährige entdeckte dabei ihre Leidenschaft für das Handwerk und begann direkt nach dem Schulabschluss eine Ausbildung zur Zerspanungsmechanikerin. „Beim Zerspanen geht es darum, ein Rohteil, etwa Metall oder Kunststoff, mit modernen Werkzeugmaschinen zu bearbeiten“, erzählt sie. Durch das Fräsen und Drehen entstehen beispielsweise Steuerblöcke, die in der Automobilindustrie weiterverarbeitet werden. Von ihren rund 25 männlichen Kollegen wurde Andrea Schelle sehr herzlich aufgenommen und kontinuierlich gefordert und gefördert. Obwohl ihre Berufswahl für einige Freunde anfangs etwas gewöhnungsbedürftig war, hat sie ihren Kopf durchgesetzt. „Statt in Rock und Stöckelschuhen, bin ich eben in Latzhose und Stiefeln zur Arbeit erschienen – und habe es nie bereut, mich für einen sogenannten ‘Männerberuf’ entschieden zu haben.“

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Glücksbringer über den Dächern von Schwerin

Die erfolgreiche Ausbildung in einer wahrhaften Männerdomäne hat Stefanie Lehmann bereits hinter sich. Wer ihr heute die Haustür öffnet, steht einer waschechten Glücksbringerin gegenüber. Die 26-Jährige ist Schornsteinfegerin in Schwerin. Aber nicht nur irgendeine: Sie ist die erste und einzige Bezirksschornsteinfegermeisterin in ganz Mecklenburg-Vorpommern. „Ich stand mit zehn Jahren das erste Mal auf dem Dach und für mich war klar, dass ich beruflich in die Fußstapfen meines Vaters treten werde“, erzählt Stefanie Lehmann. Als zusätzliche Qualifizierung absolvierte sie unter anderem eine Ausbildung zur Gebäudeenergieberaterin, um ihren Kunden auch zum Thema Energieeinsparung kompetent zur Seite zu stehen. Sie führt technische Messungen durch und überprüft die Energieeffizienz von Heizungsanlagen. „Ein bisschen Krafttraining habe ich mir trotzdem gegönnt, denn ich will natürlich mit meinen männlichen Kollegen mithalten“, erzählt Stefanie Lehmann. In ihrer traditionellen Uniform – mit Zylinder und Kehranzug – steigt sie nun regelmäßig den Leuten aufs Dach. Für die Einen mag dies ein ganz normaler Beruf sein, in dem Männer den Ton angeben, für Stefanie Lehmann ist es die Erfüllung eines lang gehegten Kindheitstraumes.

 

 

Bild/Textquelle: www.Girls-Day.de

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Dieser Artikel wurde erstellt von: G. Risser



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